Wiener Geflecht: Herkunft, Merkmale und wie du es zu Hause einsetzt

14. Sep 2026by Lisa Theobald

Es gibt Muster, die man kennt, ohne sie benennen zu können. Das feine, sechseckige Wabenmuster in der Rückenlehne eines Stuhls ist so eines. Die meisten sagen einfach „Rattan“ dazu – richtig heißt es Wiener Geflecht, und es ist eines der langlebigsten Handwerksmuster, die es im Möbelbau gibt.

In diesem Beitrag zeigen wir dir, woher das Geflecht kommt, wie es entsteht, worin der Unterschied zu anderen Rattangeflechten liegt und wie du es zu Hause einsetzt, ohne dass es altmodisch wirkt.

Was ist Wiener Geflecht?

Wiener Geflecht ist ein Flechtmuster aus Peddigrohr, also aus der Außenhaut der Rattanpalme. Die schmalen Bänder werden in mehreren Richtungen übereinandergelegt und verwoben, bis das typische, regelmäßige Sechseckmuster entsteht. Es wirkt fast textil, ist dabei aber überraschend belastbar – genau diese Kombination macht es so besonders.

Weil das Geflecht Licht und Luft durchlässt, wirken Möbel damit nie massiv. Ein Stuhl mit Wiener Geflecht nimmt optisch deutlich weniger Raum ein als ein Stuhl mit geschlossener Rückenlehne. Gerade in kleinen Räumen ist das ein echter Vorteil.

Ein kurzer Blick in die Geschichte

Bekannt wurde das Muster im 19. Jahrhundert durch die Wiener Möbelmanufakturen und vor allem durch die Bugholzstühle jener Zeit, die in fast jedem Kaffeehaus standen. Das Prinzip ist älter, aber der Name blieb: Wiener Geflecht.

In den 1950er- und 60er-Jahren griff das Mid-Century-Design das Muster erneut auf, diesmal in klareren, geradlinigeren Formen. Und genau dort liegt der Grund, warum es heute wieder so gut funktioniert: Das Geflecht bringt Handwerk und Struktur in einen Raum, ohne dekorativ oder verspielt zu wirken. Es passt deshalb sowohl in skandinavisch geprägte Räume als auch in ein Boho Wohnzimmer.

Wiener Geflecht, Rattan oder Korbgeflecht? Die Unterschiede

Die Begriffe werden im Alltag durcheinandergeworfen, meinen aber unterschiedliche Dinge.

Rattan

Rattan ist das Material, nicht das Muster. Es wird aus den Trieben bestimmter Palmenarten gewonnen. Daraus entstehen sowohl massive Rahmen als auch feine Flechtbänder. Mehr dazu, wie sich Rattan gegenüber Teak und Bambus schlägt, liest du in unserem Materialvergleich.

Peddigrohr

Peddigrohr ist der Teil des Rattans, der für feine Geflechte verwendet wird. Es lässt sich einweichen, biegen und unter Spannung verarbeiten und trocknet anschließend wieder fest aus.

Wiener Geflecht

Das ist das konkrete Muster: sechseckig, gleichmäßig, offen. Es wird auf einen Rahmen gespannt, klassischerweise aus Massivholz.

Korb- und Flechtwerk

Damit sind die gröberen, dichteren Geflechte gemeint, wie man sie von Körben oder von massiv geflochtenen Kopfteilen kennt. Sie wirken wärmer und weicher, lassen aber weniger Licht durch.

Woran du gute Verarbeitung erkennst

Echtes Wiener Geflecht wird von Hand auf den Rahmen gespannt, und das dauert. Bei unserem Designstuhl Vevani sind es mehrere Stunden pro Stück, gefertigt in einer kleinen Manufaktur in Indonesien aus echtem Peddigrohr. Alle Modelle mit diesem Muster findest du gesammelt bei unseren Möbeln mit Wiener Geflecht.

Worauf du beim Kauf achten kannst:

  • Gleichmäßiges Muster ohne verzogene oder ausgefranste Stellen
  • Ein Rahmen aus Massivholz statt aus Furnier oder beschichteter Spanplatte
  • Spürbare Spannung im Geflecht – es sollte nicht durchhängen
  • Saubere Übergänge zwischen Geflecht und Rahmen, ohne dicke Kleberspuren
  • Leichte Unregelmäßigkeiten in Farbe und Faser sind kein Makel, sondern ein Zeichen für Naturmaterial

Bedrucktes Kunststoffgeflecht erkennst du meist am Griff: Es fühlt sich glatt und gleichmäßig warm an, echtes Peddigrohr dagegen leicht faserig und kühl.

So setzt du Wiener Geflecht im Raum ein

Am Esstisch

Stühle mit Wiener Geflecht sind der Klassiker. Sie funktionieren besonders gut an einem massiven Holztisch, weil das offene Muster dem schweren Tisch Leichtigkeit entgegensetzt. Ein Set aus vier oder sechs Stühlen wirkt ruhiger als ein Mix, wenn der Tisch selbst schon Präsenz hat.

Im Schlafzimmer

Als Kopfteil bringt das Geflecht Struktur hinter das Bett, ohne die Wand optisch zu schließen. Unser Kopfteil Kami verbindet genau das: einen Rahmen aus massivem Teakholz mit feinem Wiener Geflecht. Gerade in kleineren Schlafzimmern ist das angenehmer als ein gepolstertes Kopfteil. Wie du den Rest des Raums dazu abstimmst, zeigen wir dir im Beitrag Boho Schlafzimmer gestalten.

Als einzelnes Statement

Ein Loungesessel mit Geflecht in einer Leseecke reicht oft schon aus. Wichtig ist dabei, dass das Muster nicht mit zu vielen anderen Strukturen konkurriert. Ein gemusterter Teppich und ein gemustertes Geflecht im selben Blickfeld werden schnell unruhig.

Die Faustregel

Zwei bis drei Geflecht-Elemente pro Raum sind stimmig, alles darüber wirkt schnell wie eine Ausstellung. Wiederhole lieber das Material – also Holz und Rattan – als das Muster selbst.

Pflege: unkompliziert, aber nicht egal

Wiener Geflecht braucht wenig, aber das Wenige regelmäßig:

  • Staub mit einer weichen Bürste oder einem Staubsauger auf niedriger Stufe entfernen, am besten in Richtung des Geflechts
  • Bei Flecken ein leicht feuchtes Tuch verwenden und anschließend trocken nachwischen
  • Niemals durchnässen – stehende Feuchtigkeit ist der größte Feind des Materials
  • Nicht direkt neben Heizkörper stellen, da das Geflecht sonst spröde werden kann
  • In der Heizperiode die Unterseite des Geflechts zwei- bis dreimal leicht mit Wasser besprühen oder mit einem feuchten Tuch abreiben – das erhält die Elastizität der Fasern und beugt feinen Rissen vor
  • Bei Rahmen aus Teakholz gilt zusätzlich, was auch für andere Teakmöbel gilt: Mehr dazu in unserem Leitfaden zur Teakholz-Pflege

Alle weiteren Handgriffe rund um Geflecht und Naturfaser findest du in unserem Beitrag Rattan Möbel pflegen. Hängt das Geflecht nach Jahren leicht durch, liegt das an der Naturfaser und ist normal. Fachbetriebe können Sitzflächen und Lehnen neu bespannen – das ist bei einem massiven Holzrahmen fast immer die bessere Wahl als ein Neukauf.

Fazit

Wiener Geflecht ist kein Trend, der mit der Saison wechselt. Es ist ein Handwerksmuster, das seit über hundert Jahren funktioniert, weil es zwei Dinge gleichzeitig kann: Struktur geben und Leichtigkeit bewahren. Wer ein Stück mit sauber gespanntem Geflecht und einem ehrlichen Massivholzrahmen wählt, hat es nicht nur für ein paar Jahre – sondern für deutlich länger.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Wiener Geflecht und Rattan?
Rattan ist das Material, Wiener Geflecht das Muster. Für Wiener Geflecht wird Peddigrohr, also die Außenhaut der Rattanpalme, zu einem regelmäßigen Sechseckmuster verwoben und auf einen Rahmen gespannt.

Ist Wiener Geflecht stabil genug für den Alltag?
Ja. Sauber gespanntes Peddigrohr auf einem Massivholzrahmen ist für den täglichen Gebrauch ausgelegt. Punktuelle Belastung wie Knien auf der Sitzfläche sollte man vermeiden.

Wie reinigt man Wiener Geflecht?
Staub mit einer weichen Bürste oder dem Staubsauger auf niedriger Stufe entfernen, Flecken mit einem leicht feuchten Tuch abnehmen und trocken nachwischen. Das Geflecht sollte nie durchnässt werden.

Kann Wiener Geflecht draußen stehen?
Nur an einem geschützten Platz, etwa auf einer überdachten Terrasse. Dauerhafte Feuchtigkeit und direkte Sonne lassen die Naturfaser spröde werden.

Was tun, wenn das Geflecht durchhängt?
Leichtes Nachgeben ist bei Naturfasern normal. Ist das Geflecht deutlich ausgeleiert, kann eine Fachwerkstatt die Fläche neu bespannen.